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Däne
Die Dänen sprechen Dänisch, eine nordgermanische Sprache. Die Mehrzahl der 5,5 bis 6 Mio. Dänen lebt in Dänemark; daneben gibt es Minderheiten in Südschleswig (Bundesland Schleswig-Holstein), Grönland, den Färöer, sowie in den Einwanderungsländern USA und Kanada.
Zwischen 200 und 500 n. Chr. wanderten die skandinavischen Vorfahren der Dänen aus Norwegen und Schweden in das heutige Dänemark ein. Bis in das 9. Jahrhundert kam es zu Eroberungszügen und Besiedelung von Teilen Englands durch dänische Wikinger. 960 lässt sich der Dänische König Harald Blauzahn taufen. Die Dänen werden Christen. 1536 werden die Dänen evangelisch-lutherisch.
Die 50.000 Dänen in Südschleswig sind wie Sorben, Friesen und Sinti und Roma als nationale Minderheit in der Bundesrepublik Deutschland anerkannt.
Siehe auch: Geschichte Dänemarks, Südschleswigscher Wählerverband, Dänische Sprache
Kategorie:Europäische Ethnie
Kategorie:Germanischer Stamm
Kategorie:Dänemark
Dänische Sprache
Die dänische Sprache, kurz Dänisch (dänisch dansk [sprog]), gehört zu den germanischen Sprachen und dort zur Gruppe der skandinavischen Sprachen.
Sie ist die Amtssprache in Dänemark und zweite Amtssprache in Grönland (neben Grönländisch) und auf den Färöern (neben Färöisch, meist in der Varietät Gøtudanskt) und Verkehrssprache in Island (als ehemalige Kolonialsprache).
Weiterhin ist sie als Minderheitensprache in Schleswig-Holstein (dän. Slesvig-Holsten) durch dessen Landesverfassung besonders geschützt. Das Dänisch im ehemaligen Dänisch-Westindien ist im 20. Jahrhundert verschwunden.
In Dänemark wird das Dänische von ca. 5 Millionen Muttersprachlern gesprochen. Weitere ca. 330.000 Muttersprachler verteilen sich vor allem auf Deutschland (das bis 1864 dänische Südschleswig (dän. Sydslesvig), Zentrum ist hier Flensburg (dän. Flensborg) mit ca. 20.000 Sprechern), Grönland und die Färöer (beide politisch zu Dänemark gehörend), aber auch auf Kanada, Norwegen, Schweden und die USA.
Obwohl es vom Wortschatz her stark vom Plattdeutschen beeinflusst ist, ist die Sprachgrenze zu (nieder-)deutschen Dialekten keine fließende, sondern eine „harte“. Diese verlief historisch an der Eider.
Der Language Code ist da bzw. dan (nach ISO 639).
Interskandinavisch und Dialekte
Die Bokmål-Variante des Norwegischen ist linguistisch gesehen auch ein dänischer Dialekt. Kulturhistorisch wird es aber als eigene Sprache gezählt und auch von seinen Sprechern deutlich so empfunden. Zusammen mit Schwedisch bilden Dänisch und Norwegisch die virtuelle „interskandinavische Sprache“, was nichts anderes bedeutet, als dass es diese Sprache nirgends in Schriftform gibt, und alle drei linguistisch gesehen Dialekte, also gegenseitig verständlich, sind, wobei aber Schwedisch kein Dialekt des Dänischen ist, sondern beide Dialekte des „Interskandinavischen“ (Kontinentalskandinavisch im Gegensatz zum Inselskandinavisch auf den Färöern und in Island). Ein Beispiel hierfür ist, dass man auf den Färöern von Muttersprachlern durchaus gefragt wird, ob man Skandinavisch (nicht Dänisch) spräche. In dem Fall würden sie dann aber Dänisch sprechen.
Dänisch selber zerfällt in diverse zum Teil gegenseitig nur schwer verständliche Dialekte. Gelehrte Standardsprache ist das so genannte Radio Københavnsk (wörtlich: Radio Kopenhagisch, also durch Radio und Fernsehen im ganzen Land verständlich), welches sich zum Beispiel deutlich von den in Jütland (und dort besonders im Süden) gesprochenen Dialekten unterscheidet.
Die Bedeutung von Dialekten nahm jedoch in den letzten Jahrzehnten sehr ab, der Grund ist die Verbreitung der Standardsprache, welche die Dialekte verdrängt.
„Verwandt“ mit dem Dänischen ist das Petuh in Flensburg. Es beruht teilweise auf dänischer Grammatik (Satzbau), einer Reihe Danismen, ist aber vom Wortschatz her dem Plattdeutschen sehr ähnlich, so dass es dort eingeordnet und auch als Petuh-Tanten-Deutsch bekannt ist. Es stammt aus dem 19. Jahrhundert und kann vielleicht als der Versuch von Dänen verstanden werden, Deutsch zu sprechen. Vergleiche hierzu auch: Missingsch
Weiter gab es bis ins 20. Jahrhundert das Kreoldänische in Dänisch-Westindien, das aber mit seinem letzten Sprecher ausgestorben und auch nicht schriftlich überliefert ist.
Danistik und Dänischunterricht
Danistik ist die dänische Philologie. Sie gehört zur Skandinavistik und wird zum Beispiel an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gelehrt.
In Südschleswig gibt es eine Reihe dänischer Schulen, die in erster Linie für die dänische Minderheit gedacht sind, aber auch von Kindern deutscher Muttersprachler besucht werden können, wenn sich die Eltern ebenfalls Dänisch aneignen (Elternabende finden in der Regel auf Dänisch statt).
Bekannteste und traditionsreichste dänische Schule in Deutschland ist die Duborg Skolen in Flensburg. Sie ist bis jetzt das einzige dänische Gymnasium in Deutschland. Ein zweites ist in Schleswig in Planung.
In Schleswig-Holstein gibt es darüber hinaus eine Reihe von deutschen Schulen, an denen Dänisch als dritte Fremdsprache angeboten wird.
Danismen
Aus dem Dänischen stammende bzw. entlehnte Wörter heißen Danismen. Der weltweit bekannteste Danismus ist der Name des Spielzeugs Lego (aus dänisch: leg godt! - spiel gut!). Andere bekannte Danismen sind: hyggelig (gemütlich, malerisch, nett, …) und Pølser (Würstchen).
Viele Orts- und Familiennamen in Südschleswig sind auch dänischer (altskandinavischer) Herkunft. So zum Beispiel alle Orte mit -by (wie in Husby), -rup (Sörup) und -wig (Schleswig dän.: Slesvig).
Wie man am Telefonbuch von Flensburg leicht erkennen kann, sind dort Familiennamen mit -sen am Ende üblich. Bis zum 19. Jahrhundert hatte es einen dänischen Bevölkerungsanteil von über 80 %, der sich nur zum Teil eingedeutscht hat. Namen wie Petersen, Hansen, Jacobsen usw. künden noch von dieser Zeit.
Eine nennenswert von Danismen beeinflusste Sprache ist das Färöische. Es sind quasi die einzigen Fremd- und Lehnwörter, die diese Sprache „zulässt“ (wobei es schwierig ist, sie als reine Danismen zu identifizieren, da sie auch als „Interskandinavismen“ empfunden werden können). Aus dem Dänischen kommende Anglizismen werden hier in der gehobenen Sprache aber nicht entlehnt.
Norwegisch (Bokmål) ist ebenfalls stark von Danismen beeinflusst. Dies hängt mit der über 400-jährigen Union Norwegens mit Dänemark zusammen. In der norwegischen Geschichte wird diese Epoche vor allem als Fremdherrschaft empfunden und auch als 400-Jahre-Nacht (so Henrik Ibsen) bezeichnet.
Fremdsprachliche Einflüsse auf das Dänische
Besonders bedeutend ist der Einfluss des Deutschen, speziell (und über Vermittlung durch die geographische Nähe) des Niederdeutschen zu allen Zeiten. So besteht ein großer Teil des dänischen Vokabulars aus niederdeutschen Lehnwörtern und Lehnübersetzungen. Das macht für Deutsche das Erlernen und Sprechen des Dänischen einfacher. Viele Begriffe kann man durch Raten selber finden, wenn man weiß, auf welche Art ins Dänische lehnübersetzt wurde.
Deutsch war bis ins 19. Jahrhundert gleichzeitig Sprache am dänischen Hof. Es galt also als vornehm, ähnlich wie Französisch am preußischen Hof. Das beförderte die Übernahme deutscher Begriffe nicht unwesentlich.
Im heutigen Dänisch gibt es – wie im Deutschen auch – eine große Anzahl von Internationalismen (in den letzten Jahrzehnten verstärkt Anglizismen). Das geht so weit, dass Dänen sich auf Angloamerikanisch grüßen: Hej! wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den US-Amerikanern übernommen (aus amerik.: Hi!). Jedenfalls erleichtert dieser Umstand auch das Lernen, Lesen und Sprechen des Dänischen, da ganz viele Fremd- und Lehnwörter vertraut sind.
Aber: Dänisch ist dennoch eine skandinavische Sprache, also existiert – wie oben schon erwähnt – eine harte Sprachgrenze. Diese Grenze unterscheidet es im eigentlichen Kern der Sprache mehr vom Deutschen, als es das Englische tut, was ja trotz seiner westgermanischen Herkunft nicht unbedingt durch alle uns bekannten Anglizismen plötzlich „verständlich“ ist.
Kurz: Die fremdsprachlichen Einflüsse des Deutschen und Englischen (als Mittler von weiteren Internationalismen) erleichtern das Erlernen des dänischen Wortschatzes, sie erschließen aber nicht die Sprache an sich.
Das dänische Alphabet
Das dänische Alphabet enthält unter anderem alle im Deutschen auch bekannten 26 Buchstaben von A–Z in der gleichen Reihenfolge. Der Unterschied liegt darin, dass das Dänische keinen der deutschen Umlaute (ä, ö, ü) und auch nicht das ß verwendet. Dafür gibt es drei typische Sonderzeichen:
Æ, æ: Typographisch gesehen ist das Æ eine Ligatur aus A und E. Es entspricht dem deutschen Ä.
Ø, ø: Das Ø ist typographisch gesehen immer ein O mit einem nach rechts geneigten Schrägstrich, der an beiden Enden über das O herausragt. Es entspricht dem deutschen Ö.
Å, å: Das Å ist mit der dänischen Rechtschreibreform von 1948 eingeführt worden. Es ersetzt das ältere Aa, aa. Dieser Buchstabe hat im Deutschen keine graphische Entsprechung. Der Kringel auf dem Å wird als ein kleines O verstanden, womit angedeutet wird, dass es sich hier ursprünglich um einen A-Laut gehandelt hat, der, wenn kurz ausgesprochen, sehr stark zum O tendiert. Die Stadt Ålborg wird z. B. wie „Ollborg“ ausgesprochen. Handelt es sich aber um ein langes Å, wird es wie U in „und“ ausgesprochen, d. h. Ångstrøm wird als „Ungström“ ausgesprochen. Niederdeutschen Sprechern ist dieser Laut allerdings bekannt, z. B. in maken (hochdt.: machen). Das Aa existiert nur noch in Eigennamen und auf „antiken“ Beschriftungen, aber nicht mehr in der sonstigen Schriftsprache. Seit 1984 ist bei Ortsnamen jedoch wieder die Schreibung mit Aa zulässig, und einige Orte wünschen diese alte Schreibweise. Siehe hierzu Aabenraa.
Auch sonst kennt das Dänische keine Vokalverdopplungen in der Schrift, wohl aber bei Konsonanten.
Diese drei Sonderbuchstaben werden anders als die Umlaute im Deutschen (Wörterbuch) nicht unter A und O einsortiert, sondern stehen immer am Ende des Alphabets, also so:
A, B, C, [...] X, Y, Z, Æ, Ø, Å
Im deutschen Schriftsatz gilt, dass diese drei Buchstaben in dänischen Namen, Stichwörtern und Zitaten oder gar im Gebrauch des Dänischen selbst niemals mit Ä, Ö, und Aa umschrieben werden sollen (obwohl Dänen das dennoch entziffern könnten). Das gilt analog für das Internet. Ausnahmen bilden nur Eigennamen wie Kierkegaard.
Tipp für Computerbenutzer: Anstatt sich die Zahlencodes für diese Zeichen zu merken (oder um sie zu erlernen), gibt es (zumindest bei Windows) das Programm charmap (Character Map) das über Start > Ausführen > „charmap“ zu erreichen ist.
Die dänische Phonologie ist für Deutsche das Hauptproblem beim Spracherwerb des Dänischen. Sie ist so kompliziert, dass sie nicht in einfache Regeln gefasst werden kann, und gleichzeitig weicht sie in den existierenden Dialekten auch erheblich voneinander ab.
Die meisten Deutschen (die nicht auf einer der o. a. dänischen Schulen waren) werden es wohl kaum schaffen, ein Dänisch zu sprechen, das von den Muttersprachlern selber zumindest als ein Dialekt aus ihrem Lande erkannt wird. Was aber durchaus möglich ist, ist eine flüssige Aussprache des Dänischen, die zumindest im interskandinavischen Gespräch völlig ausreicht und natürlich auch von jedem Dänen verstanden wird. So werden Deutsche, die einigermaßen fließend Dänisch beherrschen, oft gefragt, ob sie Norweger seien. Das ist in Dänemark dann als Lob zu verstehen.
Wichtigste Besonderheiten
Der Stoßlaut (Stød)
Der Stød ['sdøð] ist ein Glottisschlag [], wie er in vielen Varietäten des Deutschen vorkommt, beispielsweise in beachte []. Er kommt so häufig (und betont) und an für Deutschsprecher so ungewohnten Stellen vor (nämlich nach Vokal und vor Konsonant bzw. am Wortende), dass er den gesamten Charakter der dänischen Lautung dominiert. Hinzu kommt, dass es im Dänischen keine einheitlichen Regeln dafür gibt, wo und wann der Stød genau Anwendung findet. Dies ist nicht nur eine Frage des Dialekts, sondern auch des Soziolekts, wobei gilt, dass gehobenere Schichten den Stød öfters verwenden und dass er im Süden Jütlands weniger vorkommt.
Der dänische Stød hat in seinen skandinavischen Verwandten, dem Schwedischen und dem Norwegischen, seine Entsprechung im musikalischen Akzent.
Begnügt man sich mit einer interskandinavischen Aussprache des Dänischen, kann man den Stød auch ganz weglassen und wird dennoch verstanden. „Dänisch“ spricht man dann aber nicht.
Zudem gibt es einige Fälle, in denen gleichgeschriebene Wörter durch den Stød einen Bedeutungsunterschied erfahren, z. B. ['änən] 'anderer' ~ ['än’ən] 'die Ente', ['ånən] 'das Atmen' ~ ['ån’ən] 'der Geist', ['hεnər] 'geschieht' ~ ['hεn’ər] 'Hände'.
Das weiche D
Für die deutsche Zunge noch schwieriger ist das weiche D. Historisch entstammt es dem altskandinavischen „Ett“, das heute nur noch in Island und auf den Färöern in der Schriftsprache verwendet wird: Ð, ð. Das kleine ð ist bekannt aus der Lautschrift für einen weichen Reibelaut, bei dem eine Enge zwischen Zunge und Zähnen gebildet wird, so wie im englischen the. Es wird auch in der Lautschrift zur Bezeichnung des dänischen weichen D verwendet.
Nur wird es im Dänischen erstens nicht am oberen sondern am unteren Zahndamm artikuliert, und zweitens kommt es nie im Anlaut eines Wortes oder einer Silbe vor.
In der Schrift ist das weiche D stets mit /d/ bezeichnet. Eine bedeutungsunterscheidende Funktion hat es nicht.
Neben dem Stød ist es das zweite Hauptcharakteristikum der gesprochenen dänischen Sprache, wo dann die Kombination von beiden den typischen „weichen“ Klang (im Vergleich etwa zum Norwegischen) ergibt.
Vokalqualitäten
Die dänischen Vokale ähneln den deutschen, doch sind manche nicht identisch. Grundsätzlich verdunkeln sich alle Vokale vor oder nach dem /r/ (welches nie gerollt wird). Das /a/ wird heller ausgesprochen (ähnlich dem Englischen), und das Å ähnelt je nach Kürze oder Länge verschiedenen Arten des [o] (mit Tendenz zum [a], wenn es lang ist, wird es wie u in „und“ ausgesprochen).
Am ungewohntesten ist vielleicht die typische helle Aussprache des kurzen /i/. Diese kann am einfachsten erlernt werden, wenn man bei kurzem /i/ immer versucht, ein kurzes [e] zu artikulieren.
„Verschlucken“ von Konsonanten
...und daraus oft Bildung von Diphthongen
Wenn beklagt wird, dass das Dänische bei weitem nicht so gesprochen wie es geschrieben wird, so liegt das zum großen Teil nicht nur am weichen D, sondern auch am Verschlucken diverser geschriebener Konsonanten in der Aussprache.
Betroffen hiervon sind meist im Auslaut oder im Wortinneren befindliche /g/, /t/ und oft auch des /d/ und anderer Konsonanten.
Zum Beispiel wird det (deutsch: das) nicht etwa [det] ausgesprochen, sondern immer [de].
-er im Auslaut verfärbt sich wie im Deutschen zu einer Art Vokal, nur nicht wie im Berlinischen von Hammer zu [hamma], oder im Niederdeutschen zu [hammä], sondern zu einer Art [hammå].
Und so gibt es viele weitere Ausspracheregeln und (-Ausnahmen), welche den praktischen Sprachunterricht unumgänglich machen, will man das Dänische vervollkommnen. An Universitäten dauert die Vermittlung der dänischen Phonologie ein komplettes Semester.
Ein bekannter Liedrefrain findet dort zur Veranschaulichung der Diphthongbildung von [ei] Verwendung:
En snegl på vejen er tegn på regn i Spanien
[en sneil po vein er tein po rein i Spänien]
Eine Schnecke auf dem Weg ist ein Zeichen für Regen in Spanien
(Aus: My Fair Lady, die dänische Version von: Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen)
Hier ist das [ei] in regn (weil es nach /r/ kommt) dunkler als in den drei anderen Wörtern.
Einige Regeln könnte man zwar mit einigen Ausnahmen aufstellen.
Deutsch > dänisch: au > u, z. B. Hausmaus = husmus, eu > y z. B. deuten = tyde und ei = e (wie im Berlinischen) Beine = ben oder ei > i, z. B. Reis = ris
Ebenfalls bei Konsonanten sch > sk, z. B. schön = skøn, D > T und umgekehrt, d. h. deutsch = tysk
Die meisten dieser Regeln sind entweder vom Plattdeutschen oder Mittelhochdeutschen bekannt.
Wo man da überall den Stød setzen kann, muss die dänische Wikipedia-Gemeinde entscheiden.
Siehe auch
Liste dänischsprachiger Schriftsteller, Hyggelig
Literatur
Die Dänische Zentralbibliothek für Südschleswig enthält die größte Sammlung dänischer Titel in Deutschland.
Geschichte der dänischen Sprache
- Peter Skautrup: Det danske sprogs historie. Bd. 1–4, Kopenhagen 1944–1968 (unveränderter Nachdruck 1968) und 1 Registerband, Kopenhagen 1970
Grammatiken
- Barbara Fischer-Hansen, Ann Kledal: Grammatikken. Håndbog i dansk grammatik for udlændinge. Special-pædagogisk forlag, 1998 (Indeholder gode forklaringer på grammatiske funktioner og regler i dansk.)
- Robin Allan, Philip Holmes, Tom Lundskær-Nielsen: Danish. A Comprehensive Grammar. London and New York 1995
nur Syntax:
- Kr. Mikkelsen: Dansk Ordföjningslære. Kopenhagen 1901 (Nachdruck Kopenhagen 1975)
Wörterbücher
Dänisch-Dänisch
- Den Danske Ordbog. 6 Bände, Gyldendal, Kopenhagen bis 2005 (das künftige Monumentalwerk, ca. 400 Euro, nur im Abonnement über den Buchhandel erhältlich)
- Dansk Ordbogen. Erstausgabe. Gyldendal, Kopenhagen 2004, ISBN 8712037591 (105.000 Stichwörter ca. 35 Euro)
- Politikens Store Ordbogs cd-rom. Politikens Forlag, Kopenhagen 2001, ISBN 87-567-6056-6 (Nur Datenträger! – Nudansk Ordbog mit Etymologie, Fremdwörterbuch, Abkürzungswörterbuch und 4000 Biografien, für Mac und Windows, ca. 95 Euro)
- Politikens Nudansk Ordbog. Politikens Forlag, Kopenhagen 2001, ISBN 87-567-6564-9 (100.000 Stichwörter mit CD-ROM für Windows, ca. 55 Euro, gilt als Standardwerk)
- Politikens Nudansk Ordbog med Etymologi. Politikens Forlag, Kopenhagen 2001, ISBN 87-567-6556-8 (100.000 Stichwörter mit Etymologie und CD-ROM für Windows, ca. 70 Euro)
- Politikens Retskrivningsordbog. Politikens Forlag, Kopenhagen 2001, ISBN 87-567-6455-3 (Rechtschreibungswörterbuch, 80.000 Stichwörter mit CD-ROM, ca. 15 Euro, preiswerte Alternative)
Aussprachewörterbücher
- Lars Brink, Jørn Lund u. a.: Den Store Danske Udtaleordbog. Kopenhagen 1991
- Peter Molbæk Hansen: Udtaleordbog. Kopenhagen 1990
Weblinks
- [http://netdob.asb.dk/netdob/index.html Dänisch-dänisches Netzwörterbuch]
- [http://www.kryds.dk/bigsog.htm Dänisches Synonymwörterbuch]
- [http://www.ronzon.de/seiten/dansk1.html Grundlagenwortschatz Deutsch-Dänisch]
Kategorie:Indogermanisch
Kategorie:Germanisch
Kategorie:Einzelsprache
-
Kategorie:Dänemark
ja:デンマーク語
ko:덴마크어
Minderheit
Eine Minderheit ist eine demographische Gruppe auf einer bestimmten territorialen Einheit (Staat, Region,...), die sich durch bestimmte personale Merkmale von der Bevölkerungsmehrheit unterscheidet. Merkmale in diesem Sinne können Sprache, Rasse, Religion, Moral, soziale Funktion u.v.a. mehr sein. Häufig werden Minderheiten auf Grund von Vorurteilen ausgegrenzt und sind deshalb Opfer von Gewalt.
Faktor für die Entstehung von Minderheiten ist die Besiedlung eines Landes. Sie kann dazu führen, dass die bereits vorherrschende, einheimische Bevölkerung zur Minderheit wird und sich an die Werte und Normen der Bevölkerung anpassen müssen.Dies kann so weit gehen, dass die Existenzberechtigung von Minderheiten nicht mehr anerkannt wird.
Im herkömmlichen Sinne meint man mit Minderheiten ethnische oder nationale Minderheiten, das heißt Bevölkerungsgruppen, die auf dem Territorium eines Staat leben, in dem eine andere Volksgruppe die Mehrheit bildet, also die "Macht" innehat. Die UNO und andere internationale Organisationen haben für diese Fälle so genannte Minderheitenrechte festgesetzt, die in den verschiedenen Mitgliedsstaaten unterschiedlich respektiert werden (siehe auch Minderheitenschutz, Menschenrechte). Auch in Tokyo wurde 1988 eine Organisation gegründet, die versucht auf die Probleme und Diskriminierungen von Minderheiten aufmerksam zu machen und sich für die Rechte benachteiligter Volksgruppen einzusetzten: Die IMADR (International Movement Against All Forms of Disrimination and Racism).
In der Sozialpsychologie werden 2 Arten von Minoritäten unterschieden:eine numerisch-statistische und eine soziale.
Letztere beschreibt eine Minderheit, die sich durch kulturelle und/oder psychische Merkmale vom Rest der Gesellschafft unterscheidet und so von der sozial dominierenden Gruppe als minderwertig angesehen und auch so behandelt wird.
Unter dem Einfluss der amerikanischen Soziologie hat der Begriff "Minderheit" in den letzten fünfzig Jahren einen Bedeutungswandel erfahren. Der Begriff lässt sich so auf praktisch alle Gruppen anwenden, deren Mitglieder von den vorherrschenden Sitten und Verhaltensweisen abweichen, die zahlenmäßig weniger als die Hälfte einer gegebenen Bevölkerung ausmachen und die weniger Einfluss haben als die restliche Bevölkerung.
Definition des Begriffes Minderheit
Eine Minderheit sind Menschen, die aufgrund ihrer ethnischen, sozialen oder religiösen Zugehörigkeit auch häufig wegen ihrer sexuellen Orientierung, Diskriminierung erfahren. Diskriminierung ist politisch als Ausschluß von bestimmten Rechten zu sehen, sozial als die Erfahrung von Vorurteilen und Ausgrenzungen. Die Grundlage für diese Definition ist nicht die geringere Zahl der Gruppenmitglieder, sondern ihre geringere Macht gegenüber einer hegemonialen Mehrheit.
Entstehung von Minderheiten
Minderheiten können auf verschiedene Weisen entstehen. Die Entstehungsgeschichte einer bestimmten Minderheit hat in der Folge Auswirkungen auf ihre soziale Identität sowie auf das Konfliktpotenzial, das von ihr ausgeht.
Eine existierende, auf einem bestimmten Territorium vorhandene Bevölkerung wird durch militärische Invasion oder massive Immigration eines anderen Volkes verdrängt respektive dezimiert. Die Invasoren installieren ihre politische, kulturelle, wirtschaftliche und soziale Struktur und die ehemals eingeborene Bevölkerung lebt als Minderheit auf ihrem eigenen Territorium weiter. Klassisches Beispiel: Die Indianervölker auf dem amerikanischen Kontinent.
Völker (oder ihre Angehörigen) werden systematisch in ein Gebiet umgesiedelt, in dem sie in der Folge als Minderheit leben. Je nachdem, ob die Individuen weiterhin Kontakt mit Angehörigen ihres Volkes haben oder nicht, bleibt die kulturelle Identität mehr oder weniger erhalten. Es kann jedoch auch geschehen, dass sich in der Fremde eine neue kulturelle Identität entwickelt. Klassisches Beispiel: Schwarze Bevölkerung in den USA.
Erzwungene Migration durch Vertreibung
Soziokulturelle Einheiten müssen ihr angestammtes Gebiet verlassen und siedeln sich in der Folge auf einem anderen Territorium an. Beispiel: Amish und Mennoniten. Ein Spezialfall der Vertreibung ist die so genannte Diaspora, bei der eine bestimmte Bevölkerung von ihrem angestammten Gebiet vertrieben wird und sich in der Folge verstreut über den Erdball niederlässt. Die gemeinsame Kultur und Identität wird bewusst gepflegt und erhalten, so dass die Kultur und der kulturelle Zusammenhalt trotz der Verstreutheit erhalten bleibt. Klassische Beispiele: Juden, Armenier.
Freiwillige Migration
Angehörige bestimmter soziokultureller Gruppen verlassen freiwillig ihr angestammtes Gebiet und begeben sich an einen Ort, an dem sich bereits Menschen mit gemeinsamer Sprache, Kultur, Religion etc. befinden. Dabei kann unter Umständen eine neue kulturelle Identität entstehen, die sich von der Ursprünglichen grundsätzlich unterscheidet. Beispiel: Französischsprachige Kanadier (Québec).
Durch kriegerische oder diplomatische Aktionen werden Teile einer Volksgruppe politisch, wirtschaftlich und kulturell vom Rest ihrer Kultur abgeschnitten. Beispiele: Südtirol, Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, Vojvodina, Kurden.
Typen von Minderheiten
Es gibt unzählige Versuche, Minderheiten zu kategorisieren und typologisieren. Eine grobe Unterscheidung, die auch im völkerrechtlichen Zusammenhang verwendet wird, ist folgende Aufteilung:
#Nationale Minderheiten: Sind Minderheiten, die in einem anderen Staat die staatstragende Mehrheit bilden. Beispiele: Dänen in Deutschland, Ungarn in Rumänien.
#Ethnische Minderheiten: Entsprechen den Kriterien für eine ethnische/nationale Minderheit, haben jedoch kein "eigenes Mutterland". Beispiele: Bretonen, Friesen, Sorben, Roma und Sinti.
#Sprachliche Minderheiten: Sind keine ethnische oder nationale Minderheit, sprechen jedoch eine andere Muttersprache als die Bevölkerungsmehrheit im Staat. Beispiel: frankophone Bevölkerung der Schweiz, Finnland-Schweden.
Minderheiten in Deutschland
Als offizielle nationale Minderheiten in Deutschland sind anerkannt:
- Sorben
- Friesen
- Dänen
- Sinti und Roma
Als Regionalsprache in Deutschland ist seit 1994 zusätzlich anerkannt:
- Plattdeutsch
Minderheiten in Österreich
Die Minderheiten genießen in Österreich den Schutz, der vorerst im Vertrag von Saint-Germain von 1919 und nach dem Zweiten Weltkrieg im Artikel 7 des Österreichischen Staatsvertrages festgehalten ist. Folgende ethnische Minderheiten sind staatlich anerkannt (wobei die kroatische und slowenische Minderheit des Burgenlandes, der Steiermark und Kärntens den direkten Schutz des Staatsvertrages genießen):
- Kroaten
- Slowenen
- Slowaken
- Ungarn
- Tschechen
- Sinti und Roma seit 1993 anerkannte Volksgruppe
Sie machen weniger als 1% der Gesamtbevölkerung aus. In bestimmten Bezirken ist ihr freier Sprachgebrauch als Amtssprache (auch vor Gericht), sowie der Schulbesuch in der Muttersprache gewährleistet. In diesen Orten sind auch zweisprachige Ortstafeln aufzustellen.
Siehe auch: Minderheitssprachen in Österreich, Ortstafelstreit, Kärntner Slowenen
Minderheiten in der Schweiz
Das politische System der Schweiz basiert nicht wie in einem Nationalstaat auf künstlichen Verwaltungseinheiten, sondern auf natürlich gewachsenen Gemeinschaften. Weil die Schweiz praktisch nur aus Minderheiten besteht, gibt es neben dem ausgeprägten Föderalismus keine offizielle Minderheitenpolitik. "Inoffiziell" existiert eine gewisse Konfliktualität zwischen den Sprachregionen (siehe Röstigraben), diese ist jedoch nicht so akut, dass man von einem Minderheitenkonflikt sprechen könnte, dem mit gesetzgeberischen Maßnahmen begegnet werden müsste. Die sprachlichen Minderheiten (Französisch, Italienisch, Rätoromanisch) sind bereits heute über ihre Kantone paritätisch in National- und Ständerat vertreten und im Bundesrat sind sie mit ihrem inoffiziellen Anrecht auf 2 oder 3 von 7 Sitzen paritätisch oder sogar überrepräsentiert.
Verwandte Begriffe
- Ethnische Minderheit
- Minderheitenpolitik
- Minderheitenkonflikt
- Minderheitenschutz
- Ghetto
- Armut
- Demokratie
- Vielvölkerstaat
- Deutschsprachige Minderheiten
- religiöse Sondergruppen
- Fahrende
- Diskriminierung
- Diaspora
- Verfolgung von Minderheiten
Literatur
- M. Boden: Nationalitäten, Minderheiten und ethnische Konflikte in Europa. München. Olzog. 1993 (ISBN 3789286400)
Weblinks
- [http://www.eurominority.org Eurominority - Organisation für die Europäischen Minderheiten (Nationen ohne Staat und nationale Minderheiten)]
- [http://www.ecmi.de European Centre for Minority Issues: ECMI]
Kategorie:Völkerrecht
Kategorie:Politik
Kategorie:Soziologie
als:Ethnische Minderheit
ja:社会的少数者
Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein ist das nördlichste Land der Bundesrepublik Deutschland. Die Landeshauptstadt ist Kiel. Mit einer Fläche von 15.761,4 km² ist Schleswig-Holstein das kleinste Flächenland nach dem Saarland. Schleswig-Holstein grenzt im Norden mit der Bundesgrenze an Dänemark, im Süden an die Bundesländer Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.
Geografie
Schleswig-Holstein stellt in Norddeutschland geographisch den südlichen Teil der Halbinsel Jütland dar und ist eingeschlossen zwischen der Nordsee im Westen, der Ostsee und Mecklenburg-Vorpommern im Osten, Hamburg und Niedersachsen im Süden und Dänemark im Norden. Die Küstenlinie des Landes hat einen Anteil von 3,2 % an der gesamten europäischen Küstenlinie.
Die Landschaft Schleswig-Holsteins gliedert sich von West nach Ost in die Marsch, die Geest und das Östliche Hügelland. Größter Fluss ist die Eider, höchste Erhebung der Bungsberg (168 m). Die Ostküste gliedert durch Förden und Buchten das Land in die Landschaften Angeln, Schwansen, Dänischer Wohld und die Halbinsel Wagrien.
Historisch-politisch besteht Schleswig-Holstein seit über 1.000 Jahren aus den beiden Landesteilen Schleswig und Holstein; die Grenze zwischen den beiden Gebieten wird durch die Flüsse Eider und Levensau markiert, sie bildeten bis 1806 bzw. 1864 auch die Nordgrenze des Heiligen Römischen Reiches bzw. des Deutschen Bundes. Hinzu kommen das Herzogtum Lauenburg (seit dem Kieler Frieden 1815) und die Hansestadt Lübeck, die Schleswig-Holstein im Tausch für die holsteinischen Städte Altona und Wandsbek, die 1937 Hamburg im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes zugeschlagen wurden, zugeteilt wurde.
Das Land beherbergt mit dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer den größten Nationalpark Mitteleuropas. Insgesamt wurden in den letzten 80 Jahren durch Landesverordnungen insgesamt 189 Naturschutzgebiete und 275 Landschaftsschutzgebiete festgelegt. Ohne den Nationalpark nehmen die Gebiete 2.000 km² ein, wovon etwa 1.600 km² Meer- oder Wattgebiete sind. Oft betreuen Naturschutzverbände die Gebiete aufgrund eines Vertrages mit dem Land. Zusätzlich bestehen fünf Naturparke, von denen jedoch keiner Meeres- oder Küstengebiete einschließt.
Siehe auch: Liste der Gewässer in Schleswig-Holstein, Liste der Erhebungen in Schleswig-Holstein
Bevölkerung
In Schleswig-Holstein leben 2,82 Millionen Einwohner, die Bevölkerungsdichte von 179 Einwohnern/km² ist die sechstdünnste in Deutschland. In Schleswig-Holstein lebt sowohl eine dänische (im Landesteil Südschleswig) als auch eine friesische (vor allem an der nördlichen Nordseeküste) Minderheit.
Der Altersaufbau und die Geschlechterverteilung entspricht weitgehend der in der gesamten Bundesrepublik. 45,7 % der Frauen sind verheiratet, 12,9 % verwitwet und 6,4 % geschieden. Bei den Männern sind es 47,7 %, 2,6 % und 5,4 %.
Die Bevölkerungsdichte ist ungleichmäßig verteilt. Neben den kreisfreien Städten ist das Hamburger Umland, insbesondere die Kreise Pinneberg und Stormarn dicht besiedelt, der Landesteil Südschleswig und der Kreis Dithmarschen dagegen sehr dünn.
Sowohl aufgrund der abgeschiedenen geographischen Lage als auch aufgrund der eher schwachen Wirtschaftsentwicklung hat Schleswig-Holstein den niedrigsten Anteil von Ausländern eines der westdeutschen Länder. (1994: 5,1 %). Von den 140.000 hier lebenen Ausländern kommen gut drei Viertel aus Europa, davon 22 % der gesamten Ausländer aus den alten Ländern der Europäischen Union. Die größte Gruppe aller Ausländer stellen (1999) mit 42.000 Türken und die zweitgrößte mit 14.000 Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien.
Einer Umfrage zufolge sind die Bewohner Schleswig-Holsteins mit ihrem Bundesland zufriedener als alle anderen Bundesbürger.
Geschichte
Mittelalter und früher
Von der Bronzezeit bis zur Völkerwanderung entwickelten sich im heutigen Schleswig-Holstein mit den Nord- und Westgermanen zwei Sprach- und Völkergruppen. Zwischen 768 und 811 kam es immer wieder zu Konfrontationen zwischen dem christlichen Kaiser Karl dem Großen und den heidnischen Nordgermanen. 811 wurde in einem Friedensvertrag die Eider als staatsrechtliche Grenze zwischen dem Karolinger- und dem Dänenreich festgeschrieben, die zwar mit der Zeit an tatsächlicher Bedeutung als Trennungslinie verlor, aber bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 bzw. bis 1864 rechtlich fortbestand. Ab 1111 wuchs beiderseits der Eider die Eigenständigkeit, aus denen die Herzogtümer Schleswig und Holstein (damals noch als Grafschaft) hervorgingen. Zugleich wurden zwischen den beiden Gebieten immer engere politische und wirtschaftliche Verbindungen geknüpft. Im frühen 13. Jahrhundert versuchte der dänische König, auch Holstein in sein Reich zu integrieren, er scheiterte aber nach anfänglichen Erfolgen in der Schlacht von Bornhöved am Widerstand norddeutscher Fürsten. 1386 zeigten sich die beiden Gebiete erstmalig vereint im Wappen. Im Einzelnen war dann die Territorialgeschichte Holsteins durch zahlreiche Erbteilungen und Heimfälle sehr verwickelt. 1460 wählten der Adel und das Bürgertum nach dem Aussterben der Schauenburger den dänischen König Christian I., der aus dem deutschen Haus Oldenburg kam, zum Landesherrn, wodurch Schleswig-Holstein entstand. Diese Personalunion mit Dänemark hielt bis 1864: Der dänische König regierte Schleswig und Holstein also nicht in seiner Eigenschaft als König, sondern als Herzog der beiden Gebiete.
19. Jahrhundert bis heute
Der im 19. Jahrhundert sowohl in Dänemark wie auch in Deutschland aufkommende Nationalismus führte zu einem Gegensatz hinsichtlich der Zugehörigkeit der sogenannten Elbherzogtümer, der in zwei Kriegen mündete. Umstritten war dabei nicht das rein deutsch besiedelte Holstein, das ja seit dem frühen Mittelalter zu Deutschland gehörte und lediglich vom dänischen König regiert wurde, sondern das Herzogtum Schleswig: Sowohl in Deutschland wie in Dänemark wurde das Land von den national gesinnten Liberalen ganz beansprucht, obwohl es in einen dänischen Norden und einen deutschen Süden geteilt war. 1848 übernahmen dann in Kopenhagen die Eiderdänen das Ruder, die versuchten, Schleswig verfassungsmäßig in das dänische Reich zu integrieren. Im Schleswig-Holsteinischen Krieg von 1848–1851 versuchten hingegen die mehrheitlich deutsch gesinnten Schleswig-Holsteiner zunächst noch vergeblich, die dänische Oberhoheit zu beenden; auch Schleswig sollte Mitglied des Deutschen Bundes werden und vereint mit Holstein ein souveräner Staat unter Regierung des Herzogs von Augustenburg werden.
Zunächst wurden die deutschen Schleswig-Holsteiner dabei von der Paulskirchenversammlung unterstützt, doch bald zogen sich die preußischen Armeen und die Bundestruppen zurück und überließen die Kieler Regierung ihrem Schicksal. Der dänische Sieg bei Idstedt beendete vorerst die Hoffnungen auf Loslösung, der status quo ante wurde wiederhergestellt – auch auf internationalen Druck. Die Trennung von der dänischen Krone gelang dann im Deutsch-Dänischen Krieg 1864, in dessen Folge Schleswig-Holstein zunächst unter eine gemeinsame Verwaltung durch Preußen und Österreich kam – im Gegensatz zu den ursprünglichen Zielen der Schleswig-Holsteiner wurden die Herzogtümer also nicht unabhängig. Nur kleine Teile im Norden Schleswigs blieben dänisch, wie z. B. die Insel Lyö und die Stadt Ripen; dafür gab die dänische Krone ihre Ansprüche auf einige Gebiete und Inseln (vor allem in Friesland) auf, die nicht zu Schleswig gehört hatten. Nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 wurde Schleswig-Holstein 1867 als Ganzes eine preußische Provinz und damit 1871 Teil des Deutschen Reiches. Die Schleswig-Holsteinische Frage war ein zentraler Aspekt der Politik Bismarcks, die schließlich zur Reichseinigung 1871 führte.
Abgeschlossen wurde die völkerrechtliche Auseinandersetzung mit Dänemark jedoch erst 1920, als unter dem Druck und der Aufsicht der Siegermächte des Ersten Weltkriegs die im Vertrag von Wien 1864 zugesagte Volksabstimmung in den nördlichen Teilen Schleswigs stattfand. Deutschland musste als Verlierer des Krieges einen ungünstigen Zuschnitt der Stimmbezirke akzeptieren, was unter anderem zum Verlust der überwiegend deutschsprachigen Städte Apenrade, Hadersleben und Tondern führte (siehe auch Nordschleswig). Der mittlere der drei Stimmbezirke (mit Flensburg) war besonders hart umstritten und entschied sich dann für die Zugehörigkeit zum Deutschen Reich. 1955 kam es dann zu einer endgültigen Einigung zwischen Dänemark und Deutschland, die insbesondere den Status und die Sonderrechte der jeweiligen Minderheit regelte. Trotz kleinerer Streitigkeiten leben Deutsche und Dänen nun seit Jahrzehnten friedlich miteinander.
Während der späten Zwanziger Jahre war Schleswig-Holstein, insbesondere das an der Westküste gelegenen Dithmarschen eine der Hochburgen des Nationalsozialismus. Die Blutnacht von Wöhrden wurde von der nationalsozialistischen Bewegung deutschlandweit zu Propagandazwecken ausgeschlachtet. Bereits 1930 konnte die NSDAP in dieser Gegend gut 70 % der Wählerstimmen für sich verbuchen. 1938 brannten auch in Schleswig und Holstein – etwa in Kiel – die Synagogen; es gab auch einige kleinere Konzentrationslager.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Schleswig-Holstein Hauptansiedlungsgebiet für Vertriebene und Hamburger Ausgebombte. Die Bevölkerungszahl, die 1939 noch 1,6 Millionen Einwohner betragen hatte, stieg bis 1949 auf 2,7 Millionen Einwohner.
Nach dem Krieg entstand am 23. August 1946 durch alliierten Beschluss zunächst das „selbständige Land Schleswig-Holstein“. Bundesland wurde Schleswig-Holstein mit der 1949 vom ersten gewählten Landtag verabschiedeten Landessatzung, die am 12. Januar 1950 in Kraft trat. Erst die nach der Verfassungsreform am 30. Mai 1990 vom Landtag verabschiedete Verfassung trug auch den Namen Landesverfassung.
Siehe auch: Geschichte der deutschen Bundesländer
Den größten Skandal der Nachkriegsgeschichte stellte die Barschel-Affäre 1987/88 dar. Dieser Skandal erfuhr dann 1993 noch eine Fortsetzung mit der Schubladen-Affäre.
Zuletzt rückte Schleswig-Holstein in den Mittelpunkt des Interesses, als im März 2005 die Wiederwahl von Heide Simonis zur Ministerpräsidentin spektakulär im Landtag scheiterte, was zu einer Großen Koalition in Kiel führte und vielfach auch als bundespolitisches Signal gesehen wurde.
Literatur
- Ulrich Lange (Hrsg.): Geschichte Schleswig-Holsteins. Neumünster (Wachholtz) 2003, ISBN 3-529-02440-6
- Jürgen H. Ibs/Eckart Dege/Henning Unverhau (Hrsg.): Historischer Atlas Schleswig-Holstein. Bd. I–III. Neumünster (Wachholtz)
Hoheitszeichen
Flagge
Die Landesflagge besteht aus drei horizontalen Streifen. Der obere Streifen ist blau, der mittlere weiß und der untere rot. Die Farben sind aus dem Landeswappen genommen und sollen 1840 zum ersten Mal aufgetaucht sein, als es Abspaltungsversuche der Herzogtümer Schleswig und Holstein von der dänischen Herrschaft gab. Im Jahre 1949 wurde die Flagge offiziell von den Alliierten anerkannt.
Die Dienstflagge enthält im Gegensatz zur Landesflagge das Landeswappen. Bei offizieller Beflaggung wird die Dienstflagge gehisst.
Die Dienstflagge darf nur von den entsprechenden Behörden benutzt werden, die Landesflagge dagegen kann von jedermann frei benutzt werden.
Schiffe führen eine Erkennungflagge in den Farben der Landesflagge.
Wappen
Das Wappen Schleswig-Holsteins zeigt nach Landesgesetz auf goldenem Grund zwei blaue, nach innen gewandte, rot bewehrte, übereinander schreitende Löwen und ein silbernes Nesselblatt, wobei die Löwen den Landesteil Schleswig, das Nesselblatt Holstein symbolisiert. Im Gegensatz zu den „normalen“ Schleswiger Löwen, die auf den Kreis-/Stadtwappen nach links sehen, sehen die Löwen im Landeswappen nach rechts. Angeblich beruht dies auf einem Erlass Otto von Bismarcks aus den 1880er Jahren, da es „unhöflich“ von den Löwen wäre, dem Nesselblatt den Hintern zuzuwenden.
Das Wappen darf nur von offiziellen Stellen verwendet werden. Jedoch hat die Landesregierung vor kurzer Zeit ein vereinfachtes Wappen herausgegeben, das frei verwendbar ist.
Hymne
Das Schleswig-Holstein-Lied heißt offiziell „Wanke nicht mein Vaterland“, der umgangssprachliche Name ist jedoch „Schleswig-Holstein meerumschlungen“. Den Text hat Matthäus Friedrich Chemnitz verfasst, die Melodie ist von Carl Gottlieb Bellmann
Siehe auch: Schleswig-Holstein meerumschlungen
Sprachen
Es gibt vier offizielle Landessprachen: die Niedersächsische Sprache (Plattdeutsch), die Friesische Sprache, die Dänische Sprache sowie natürlich Deutsch. Die Niedersächsische Sprache gilt als Regionalsprache, Dänisch und Friesisch als Minderheitensprachen. Daneben existiert noch Plattdänisch ("Synnejysk") als nichtoffizielle Sprache, die jedoch sowohl südlich wie auch nördlich der Grenze am Verschwinden ist.
Zur Anwendung kommen Dänisch und Friesisch allerdings hauptsächlich nur im Schleswiger Landesteil. Im Kreis Nordfriesland finden sich auch zweisprachige Ortsschilder, so wird dem Besucher von Niebüll die Stadt auch als Naibel angekündigt.
Der Südosten des Landes war bis ins 12. Jahrhundert von slawischen Völkern besiedelt, was sich heute noch an einigen slawischstammigen Ortsnamen erkennen lässt (z. B. Lübeck, Eutin, Preetz, Ratzeburg)
Siehe auch: Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein
Religion
Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein ist ein protestantisch geprägtes Land. 2000 gehörten 63,8 % der Bevölkerung der evangelisch-lutherischen Kirche an, 6,1 % waren 2003 römisch-katholisch. 25.000 Schleswig-Holsteiner bekennen sich zum Islam. Die evangelischen Freikirchen zählen etwa 15.000 Mitglieder, die dänische Kirche in Südschleswig umfasst etwa 6.000 Mitglieder und ungefähr 1.800 Bewohner des Landes sind Juden.
Die evangelische Kirche gehört zur Nordelbischen Kirche und wird von den drei Bischofssitzen Hamburg, Holstein-Lübeck und Schleswig aus betreut. Schleswig-Holstein gehört zum Erzbistum Hamburg der Römisch-Katholischen Kirche.
Verwaltungsgliederung
Erzbistum Hamburg
Schleswig-Holstein erfuhr 1970/71 eine Gebietsreform. Die Zahl der Landkreise wurde von 17 (siehe preußische Provinz Schleswig-Holstein) auf 11 gesenkt, die Zahl der Gemeinden sank mittelfristig von 1.371 (1959) auf 1.131 (1994) und die bisher 199 Ämter wurden in jetzt 119 Ämter zusammengefasst. Gleichzeitig wurde die Fläche der vier kreisfreien Städte erheblich erweitert.
Schleswig-Holstein bestand am 31. Dezember 2002 aus insgesamt 11 Landkreisen und 1.130 Gemeinden. Von diesen Gemeinden haben 1.019 weniger als 2.000 Einwohner und werden deshalb von einem ehrenamtlichen Bürgermeister verwaltet. 62 Gemeinden besitzen das Stadtrecht. Stadtrecht kann eine Gemeinde erhalten, die mindestens 10.000 Einwohner besitzt, Städte die dieses aus alter Zeit haben, verlieren es aber nicht. In diesen Städten leben 1,5 Millionen der etwa 2,7 Millionen Einwohner des Landes. Der Kreis Pinneberg ist mit 290.000 Einwohner der bevölkerungsreichste des Landes, der Kreis Rendsburg-Eckernförde mit 2.400 km² der größte und damit fast so groß wie das Saarland. Einige Kreise in der Metropolregion Hamburg diskutieren den Zusammenschluss zu einem großen Hamburger Umlandkreis. Auch auf Landesebene gibt es im politischen Raum Überlegungen, die Zahl der Landkreise auf sechs bis vier und die Zahl der kreisfreien Städte auf zwei oder keine zu reduzieren.
Kreise
Metropolregion Hamburg
Kreisfreie Städte
(in Klammern die Kfz-Kennzeichen)
Es gibt Überlegungen seitens der Stadt Neumünster, sich zwecks Kosteneinsparungen dem Kreis Segeberg anzuschließen.
Siehe auch [http://www.abendblatt.de/daten/2004/09/22/343707.html Artikel im Hamburger Abendblatt]
Städte und Gemeinden
Metropolregion Hamburg
Metropolregion Hamburg
Größte Städte und Gemeinden
Schleswig-Holstein zeichnet sich durch eine große Zahl von Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern aus. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern änderte daran auch die durchgeführte Gebietsreform nichts. 1.026 kleinere Gemeinden sind in 119 Ämtern zusammengefasst, um die Verwaltungsaufgaben effektiver zu gestalten (Stand: 31. Dezember 2002).
So ist Arnis mit seinen 365 Einwohnern die kleinste Stadt Deutschlands.
Wiedenborstel ist die kleinste eigenständige Gemeinde Deutschlands. Sie besteht aus einem Haus und hatte in den letzten Jahren zwischen zwei und sieben Einwohnern.
Siehe auch: Liste der Orte in Schleswig-Holstein.
Regionen
- Angeln
- Dänischer Wohld
- Dithmarschen
- Eiderstedt
- Holsteinische Schweiz
- Lauenburg
- Nordfriesland
- Probstei
- Schwansen
- Stormarn
- Wagrien
Staatsaufbau
Verfassung
Schleswig-Holstein ist laut Artikel 1 seiner Verfassung vom 12. Januar 1950 ein Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland. Das Land besitzt die modernste Verfassung der alten Bundesländer. In Folge der Barschel-Affäre 1987 wurden vom Untersuchungsausschuss strukturelle Änderungen angeregt. Eine eingesetzte Enquete-Kommission erstellte Vorschläge zu einer Verfassungs- und Parlamentsreform und legte 1989 ihren Schlussbericht vor. Daraufhin wurde die Verfassung geändert und auch von Landessatzung in Landesverfassung umbenannt. Sie wurde am 30. Mai 1990 vom Landtag verabschiedet. Die Verfassung enthält seitdem auch Staatszielbestimmungen, z. B. den Minderheitenschutz der friesischen Volksgruppe und der dänischen Minderheit im Land (Art. 5), die Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau (Art. 6), den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen (Art. 7) oder Schutz und Förderung der Kultur (Art. 9).
Im Vergleich zu anderen deutschen Landesverfassungen hat die Verfassunge weitreichende Elemente der direkten Demokratie. Wie in allen anderen deutschen Ländern geht die Staatsgewalt vom Volke aus, das heißt, das Volk bekundet seinen Willen in Wahlen und Abstimmungen im Lande, in den Gemeinden und den Gemeindeverbänden.
Die Verfassung verliert vorbehaltlich anderweitiger bundesgesetzlicher Regelung ihre Geltung an dem Tag, an dem eine Neugliederung des Bundesgebietes in Kraft tritt.
Landtag
Neugliederung
Der Landtag ist das vom Volk gewählte oberste Organ der politischen Willensbildung und führt somit die legislative Gewalt aus. Der Landtag wählt die Ministerpräsidentin oder den Ministerpräsidenten. Außerdem kontrolliert er mit der Rechtsprechung die ausführende Gewalt. Der Landtag besteht in der Regel (ohne Überhangmandate) aus 75 Abgeordneten (siehe Tabelle). Sie werden nach einem Verfahren gewählt, das die Persönlichkeitswahl mit den Grundsätzen der Verhältniswahl verbindet. Ab der 16. Wahlperiode wird der Landtag aus 69 Abgeordneten bestehen.
Landesregierung
Die Landesregierung ist im Bereich der vollziehenden Gewalt oberstes Leitungs-, Entscheidungs- und Vollzugsorgan. Sie besteht aus der Ministerpräsidentin oder dem Ministerpräsidenten und den Landesministerinnen und Landesministern.
Die Ministerpräsidentin oder der Ministerpräsident wird vom Landtag ohne Aussprache gewählt. Sie oder er beruft und entlässt die Landesministerinnen und Landesminister und bestellt aus diesem Kreis für sich eine Vertreterin oder einen Vertreter.
Zur Ministerpräsidentin oder zum Ministerpräsidenten ist gewählt, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Landtages auf sich vereinigt (Absolute Mehrheit).
Erhält im ersten Wahlgang niemand diese Mehrheit, so findet ein neuer Wahlgang statt. Kommt die Wahl auch im zweiten Wahlgang nicht zustande, so ist gewählt, wer in einem weiteren Wahlgang die meisten Stimmen erhält.
Rechtsprechung
Die rechtsprechende Gewalt ist den Richterinnen und Richtern anvertraut; sie wird im Namen des Volkes ausgeübt. Die Richterinnen und Richter sind unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen.
Die Gerichtsstruktut in Schleswig-Holstein war und ist vergleichsweise gering ausgebaut. Ein eigenes Oberverwaltungsgericht wurde erst 1991 mit dem Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht in Schleswig eingerichtet. Bis dahin war das OVG Lüneburg in Niedersachsen gem. § 3 Abs. 2 VwGO auch für das Land Schleswig-Holstein zuständig.
Schleswig-Holstein verfügt noch immer als einziges Bundesland über keine eigene Verfassungsgerichtsbarkeit. Auch im Rahmen der Verfassungsreform von 1990 wurde vorläufig weiterhin auf ein eigenes Landesverfassungsgericht verzichtet. Stattdessen weist Art. 44 der Landesverfassung dem Bundesverfassungsgericht die Stellung als Verfassungsgericht für das Land Schleswig-Holstein zu, wobei jedoch keine Landesverfassungsbeschwerde ermöglicht wird.
Im November 2004 wurde, wie auch schon Ende der 90er Jahre, im Schleswig-Holsteinischen Landtag über die Einrichtung eines Landesverfassungsgerichts diskutiert. Gründe für diese Überlegung sind z. B., dass selbst Entscheidungen über die Zulässigkeiten von Volksinitiativen erst Jahre nach deren Abstimmungen im Landtag fallen, oft dann schon in der nächsten Legislaturperiode. Auch seien Richterinnen und Richter aus Schleswig-Holstein in den Bundesgerichten unterrepräsentiert. Das Bündnis 90/Die Grünen sprach sich für eine Schaffung eines solchen Gerichts unter Einsatz von nebenamtlichen Richtern und organisatorischer Anbindung an ein bestehendes Gericht aus. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD vom 16. April 2005 sieht nun vor, ein Landesverfassungsgericht zu schaffen, bei dem auch die richterlichen Mitglieder ihre Tätigkeit ehrenamtlich ausüben (Punkt 7.b.). Dies wird wohl auf eine Anbindung an das OVG in Schleswig hinauslaufen.
Direkte Demokratie
Initiative aus dem Volk
Alle Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, den Landtag im Rahmen seiner Entscheidungszuständigkeit mit bestimmten Gegenständen der politischen Willensbildung zu befassen. Einer Initiative kann auch ein mit Gründen versehener Gesetzentwurf zugrunde liegen; er darf den Grundsätzen des demokratischen und sozialen Rechtsstaates nicht widersprechen. Die Initiativen müssen von mindestens 20.000 Stimmberechtigten unterzeichnet sein. Ihre Vertreterinnen und Vertreter haben das Recht auf Anhörung.
Initiativen über den Haushalt des Landes, über Dienst- und Versorgungsbezüge sowie über öffentliche Abgaben sind jedoch unzulässig.
Volksbegehren
Stimmt der Landtag dem Gesetzentwurf oder der Vorlage innerhalb einer Frist von vier Monaten nicht zu, so sind die Vertreterinnen und Vertreter der Volksinitiative berechtigt, die Durchführung eines Volksbegehrens zu beantragen.
Der Landtag entscheidet nun, ob das beantragte Volksbegehren zulässig ist.
Ein Volksbegehren ist dann zustande gekommen, wenn mindestens 5 % der Stimmberechtigten innerhalb eines halben Jahres dem Volksbegehren zugestimmt haben.
Volksentscheid
Ist ein Volksbegehren zustande gekommen, so muss innerhalb von neun Monaten über den Gesetzentwurf oder die andere Vorlage ein Volksentscheid herbeigeführt werden. Der Landtag kann einen eigenen Gesetzentwurf oder eine andere Vorlage zur gleichzeitigen Abstimmung stellen. Ein Volksentscheid findet nicht statt, wenn der Landtag das Gesetz schon verabschiedet hat, so dass ein Volksentscheid überflüssig geworden ist und wenn das Bundesverfassungsgericht auf Antrag des Landtages oder der Landesregierung das Volksbegehren als verfassungswidrig eingestuft hat.
Der Gesetzentwurf oder die andere Vorlage ist durch Volksentscheid angenommen, wenn die Mehrheit derjenigen, die ihre Stimme abgegeben haben, jedoch mindestens ein Viertel der Stimmberechtigten, zugestimmt hat. Eine Verfassungsänderung durch Volksentscheid bedarf der Zustimmung von zwei Dritteln derjenigen, die ihre Stimme abgegeben haben, jedoch mindestens die Hälfte der Stimmberechtigten. In der Abstimmung zählen nur die gültigen Ja- und Nein-Stimmen.
Gesetzgebung
Die Gesetzentwürfe werden von der Landesregierung oder von einzelnen oder mehreren Abgeordneten des Landtages oder durch Initiativen aus dem Volk eingebracht. Die Gesetze werden durch den Landtag oder durch Volksentscheid beschlossen.
Gesetze die die Verfassung ändern bedürfen der Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder des Landtages sowie der Zustimmung des Volkes. Außerdem müssen sie den Wortlaut des ändernden Verfassungstextes ausdrücklich ändern und ergänzen.
Politik
In der Bundesrepublik besitzt Schleswig-Holstein als ebenso ländlich wie protestantisch geprägtes Land keine ausgeprägten Stammwähler einer der großen Parteien. In der Nachkriegszeit konnte der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten fast 25 % der Wähler hinter sich bringen. Mit dem Abgleiten in die bundespolitische Bedeutungslosigkeit verlor er aber auch hier seine Wähler. In den sechziger Jahren (NPD) und in den neunziger Jahren (DVU) konnten rechtsextreme Parteien Wahlerfolge bei Landtagswahlen verbuchen, diese aber nicht wiederholen. Eine Besonderheit in der Parteienlandschaft Schleswig-Hosteins ist der Südschleswigsche Wählerverband, der die Interessen der dänischen und friesischen Minderheit vertritt. Er ist bei Landtagswahlen von der 5%-Hürde nach Wahlgesetz für den Landtag von Schleswig-Holstein [http://www.landesregierung-sh.de/landesrecht/111-1.htm#3 § 3 Abs. 1 Satz 2] ausgenommen.
Landesregierung
Die Regierung wird seit 27. April 2005 von einer großen Koalition aus CDU und SPD getragen:
- Peter Harry Carstensen (CDU), Ministerpräsident;
zu seinem Kabinett gehören:
- Ute Erdsiek-Rave (SPD), Ministerin für Bildung und Frauen und zugleich Stellvertreterin des Ministerpräsidenten,
- Rainer Wiegard (CDU), Minister für Finanzen,
- Dr. Ralf Stegner (SPD), Innenminister,
- Uwe Döring (SPD), Minister für Justiz, Arbeit und Europa,
- Dr. Christian von Boetticher (CDU), Minister für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume,
- Dr. Gitta Trauernicht (SPD), Ministerin für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren, und
- Dietrich Austermann (CDU), Minister für Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Verkehr.
Ehemalige Ministerpräsidenten
Die Ministerpräsidenten ab 1945:
- 1945–1947: Theodor Steltzer (1945/46 als Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein)
- 1947–1949: Hermann Lüdemann, SPD
- 1949–1950: Bruno Diekmann, SPD
Die Ministerpräsidenten seit der Verfassung von 1950
- 1950–1951: Walter Bartram, CDU
- 1951–1954: Friedrich-Wilhelm Lübke, CDU
- 1954–1963: Kai-Uwe von Hassel, CDU
- 1963–1971: Helmut Lemke, CDU
- 1971–1982: Gerhard Stoltenberg, CDU, siehe Liste der Ehrenbürger Schleswig-Holsteins
- 1982–1987: Uwe Barschel, CDU
- 1987–1988: Henning Schwarz, (2. Oktober–31. Mai; kommissarisch)
- 1988–1993: Björn Engholm, SPD
- 1993–2005: Heide Simonis, SPD (siehe auch: Wahl des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein 2005)
Wirtschaft und Verkehr
Wahl des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein 2005
Wirtschaft
Schleswig-Holstein ist traditionell ein strukturschwaches Land mit nur zwei Großstädten, Kiel und Lübeck. Verhältnismäßig viele Einwohner arbeiten weiterhin in der Landwirtschaft. Produzierende Industrie entwickelte sich hier relativ spät und wurde schon früh wieder vom einsetzenden Strukturwandel betroffen. Auch die Wiedervereinigung von 1990, durch die Schleswig-Holstein vom Nehmer- zum Geberland im Länderfinanzausgleich wurde, hatte ökonomisch ungünstige Folgen. Auch der Abbau von Bundeswehr und Marine traf die Wirtschaft des Bundeslandes besonders hart.
Wirtschaftlich lassen sich drei Großräume unterscheiden: das prosperierende Hamburger Umland in der Metropolregion Hamburg, auch Speckgürtel genannt (mit Maschinenbau und Dienstleistungen), die Westküste (Landwirtschaft, Tourismus in Schleswig-Holstein, Windenergie) und die großen Städte an der Ostküste. In den letzten Jahren gewinnt der Seehandel mit dem Ostseeraum wieder an Bedeutung. Eine besondere Rolle spielen dabei die Jütlandlinie und die Vogelfluglinie wie auch der Lübecker Hafen als Wege nach Skandinavien, Finnland, Russland und das Baltikum.
In Schleswig-Holstein sind zwei Drittel der gesamten deutschen Fischereiflotte stationiert. Rund ein Viertel der deutschen Reedereien sind im Land angesiedelt; etwa 20 % des deutschen Umsatzes im Schiffbau werden hier erwirtschaftet. Vor allem die Werft HDW in Kiel ist auch international erfolgreich.
Schleswig-Holstein hat an drei Standorten Atomkraftwerke, in Brunsbüttel, Brokdorf und Krümmel.
Der Tourismus in Schleswig-Holstein spielt eine weit größere Bedeutung als in den meisten anderen Bundesländern. In der Tourismusindustrie erwirtschafteten im Jahr 2002 etwa 80.000 Beschäftigte einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro. Der Beitrag des Tourismus zum Volkseinkommen betrug damit 4,6 % im Gegensatz zum Bundesschnitt von 2,8 %.
Verkehr
Wichtige Autobahnen, die durch das Land gehen, gehen alle von Hamburg aus. Es sind die Bundesautobahn 1 nach Lübeck und weiter über die Vogelfluglinie mit der Öresundregion Kopenhagen/Malmö verbindend, die Bundesautobahn 7 über Neumünster und Rendsburg nach Flensburg mit einem Abzweig nach Kiel und die Bundesautobahn 23 nach Heide mit Anschluss nach Husum und die Nordfriesischen Inseln. Die im Bau befindliche Bundesautobahn 20 führt bisher von Lübeck an die Mecklenburg-Vorpommersche Ostseeküste und soll irgendwann bei Glückstadt die Elbe queren. Die Bundesautobahn 24 verbindet die Metropolregion Hamburg mit der Metropolregion Berlin/Brandenburg.
Eisenbahnverbindungen gibt es ebenfalls von Hamburg aus nach Kiel, Lübeck, Flensburg und die Marschbahn nach Westerland auf Sylt. Bis Kiel und Neumünster verkehren auch ICEs. Von Bedeutung war lange Zeit auch die Eisenbahnfähre von Fehmarn nach Lolland im Verlauf der Vogelfluglinie. Das gut entwickelte Überland-Omnibus-Netz Schleswig-Holsteins wird im wesentlichen von der Autokraft GmbH betrieben.
Das Land hat insgesamt 46 öffentliche Häfen und Anlegestellen, von denen vier überregionale Transitfunktionen erfüllen: Kiel, Lübeck/Travemünde und Puttgarden an der Ostsee, Brunsbüttel an der Nordsee. Kiel und Lübeck sind ebenso für den Güterverkehr nach Skandinavien sowie zunehmend nach Osteuropa wichtig. Kiel ist zudem ein wichtiger Fährhafen. Puttgarden ist der deutsche Hafen der Vogelfluglinie nach Dänemark. Brunsbüttel ist ein wichtiger Hafen für Massengüter und entwickelt sich derzeit außerdem zu einer bedeutenden Basis für die Offshore-Windenergieindustrie. Der Nord-Ostsee-Kanal ist mit etwa 40.000 Schiffsbewegungen jährlich die am meisten genutzte künstliche Wasserstraße der Welt.
Flugverkehr: Flughäfen gibt es u. a. in Kiel und Lübeck. Der letztere ist auch für den Tourismus im Land von Bedeutung. Es gibt Flugplätze u. a. in Flensburg, Sonderlandeplätze auf den Inseln Helgoland,Sylt und Fehmarn.
Bildung
Schleswig-Holstein verfügt über drei Universitäten, wobei nur die 1665 gegründete Christian-Albrechts-Universität in Kiel eine Volluniversität ist. Ferner gibt es im Land eine Kunsthochschule, eine Musikhochschule, vier Fachhochschulen und eine Verwaltungsfachhochschule. Insgesamt studierten im Wintersemester 2003/2004 in Schleswig-Holstein 45.542 Personen, davon 26.510 an Universitäten und 16.973 an Fachhochschulen.
Im Schuljahr 2001/2002 besuchten 36,6 % der Schüler an allgemeinbildenden Schulen eine Grundschule, 20,8 % ein Gymnasium, 18,6 % eine Realschule, 13,3 % eine Hauptschule, 4,8 % eine Gesamtschule und 3,7 % eine Sonderschule. Weiterhin gibt es Freie Waldorfschulen (1,3 % der Schüler), Schulkindergärten (0,4 %), Abendrealschulen (0,2 %) und Abendgymnasien (0,1 %).
Kultur
Die Kultur Schleswig-Holsteins ist durch den niederdeutschen, dänischen und friesischen Einfluss vielfältig. Sie ist geprägt von landschaftlichen Faktoren, wie den beiden Meeren und der bäuerlichen Kultur. Besonders im Norden des Landes ist der skandinavische Einfluss in der Architektur und Wohnkultur erkennbar.
Siehe auch: Liste historischer Orte in Schleswig-Holstein
Sport
Durch die Küsten ist der Wassersport ebenso populär, wie das Angeln. Schleswig-Holstein beheimatet zwei Handballvereine, die regelmäßig an der Spitze der Bundesliga spielen: THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt. Bekannt sind auch die Fußballvereine VfB Lübeck und der KSV Holstein Kiel, der 1912 Deutscher Fußballmeister war. Kiel ist historisch eine traditionsreiche Stätte des Boxsports und eine der Weltmetropolen des Segelns, anerkannt durch die Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 1936 und 1972. Mit der Kieler Woche und der Travemünder Woche ist das Land Ausrichter von zwei der größten und traditionsreichen Segelwettbewerbe der Welt. Insgesamt sind im Land in 230 Vereinen etwa 32.000 Segler organisiert. Sylt und Fehmarn sind das Mekka vieler Surfer, außerdem lädt das Land zum Wandern und Radfahren ein. Aus der Ruder-Stadt Ratzeburg kam und kommt der Deutschlandachter.
Regelmäßige Veranstaltungen
- Schleswig-Holstein Musik Festival
- Kieler Woche
- Travemünder Woche
- E.ON Hanse-Cup
- Nordische Filmtage Lübeck
- Karl-May-Festspiele
- NORLA (Landwirtschaftsmesse)
Siehe auch: Tourismus in Schleswig-Holstein
Ehrenbürger
Vier Personen wurden Ehrenbürger von Schleswig-Holstein:
- Helmut Schmidt, 1998, früherer deutscher Bundeskanzler, MdB,
- Uwe Ronneburger, 2000, früherer stv. Bundesvorsitzender und schleswig-holsteinischer Landesorsitzender der FDP, MdB,
- Gerhard Stoltenberg, 2002, früherer Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und früherer Bundesminister der Verteidigung und der Finanzen, MdB, und
- Siegfried Lenz, 2004, bekannter deutscher Autor, der einen Teil des Jahres in Tetenhusen bei Rendsburg lebt. Viele seiner Geschichten spielen in Schleswig-Holstein.
Siehe auch: Liste der Persönlichkeiten (Schleswig-Holstein)
Weblinks
-
- [http://www.schleswig-holstein.de/ Schleswig-Holstein.de]
- [http://www.sh-landtag.de/ Der Landtag Schleswig-Holstein]
- [http://landesregierung.schleswig-holstein.de/ Die Landesregierung Schleswig-Holstein]
- [http://www.geschichte.schleswig-holstein.de/ Geschichte des Landes]
- [http://www.statistik-sh.de/ Statistisches Amt für Schleswig-Holstein und Hamburg]
als:Schleswig-Holstein
ja:シュレースヴィヒ=ホルシュタイン州
ko:슐레스비히홀슈타인 주
simple:Schleswig-Holstein
Färöer
Die Färöer []/[] - nicht „Färöer-Inseln“ - (färöisch: Føroyar []/[], poetisch auch: Føroyaland, dänisch: Færøerne - vermutlich: „Schafsinseln“ oder „ferne Inseln“) sind eine im Mittelalter entdeckte und besiedelte Inselgruppe im Nordatlantik zwischen den Britischen Inseln, Norwegen und Island. Von den 18 Inseln sind, mit Ausnahme von Klein-Dimun, alle permanent bewohnt.
Die Färöer sind, wie Grönland, eine gleichberechtigte Nation innerhalb des Königreichs Dänemark, bereits seit 1948 weitgehend autonom und haben mit dem Løgting eines der ältesten Parlamente der Welt. Zwei Abgeordnete der Färinger (wie die Einwohner des Archipels heißen) sitzen Kraft Gesetzes im dänischen Folketing. Die Färöer sind im Gegensatz zu Dänemark nicht Mitglied der Europäischen Union, aber mit zwei Delegierten im Nordischen Rat vertreten. Zusammen mit Island bilden sie seit dem 31. August 2005 eine Wirtschaftsunion. Zu den britischen Regionen der Shetlandinseln, Orkneys und Hebriden entwickeln sich zusätzliche enge Bande der außenpolitischen Zusammenarbeit.
Wichtigster Erwerbszweig der 48.000 Färinger ist seit Ende des 19. Jahrhunderts die Fischerei und die damit zusammenhängende Wirtschaft. Vorher war es die Landwirtschaft (Export von färöischen Wollprodukten), und künftig hoffen die Menschen auf Erdöl vor ihren Küsten. Derweil zeichnet sich ab, dass die Färöer ab 2006 die weltweit führende Nation bei der Stromerzeugung mit Wellenkraftwerken sein werden.
Die aus dem Altnordischen stammende färöische Sprache ist die kleinste germanische Sprache und gehört zu den drei kleinsten Sprachen Europas. Sie konnte sich im 20. Jahrhundert als Hauptsprache in allen Bereichen durchsetzen, sodass Dänisch heute nur noch den Charakter einer Verkehrssprache hat. Die färöische Sprachpolitik sorgt für eine aktive Neuschöpfung von Begriffen des modernen Lebens.
Bevölkerung
Von den rund 48.000 Einwohnern der Färöer sind 98 % Reichsbürger, also Färinger, Dänen oder Grönländer. Vom Geburtsort her kann man folgende Herkunft der Einwohner ableiten: Auf den Färöern geboren sind 91,7 %, in Dänemark 5,8 %, und in Grönland 0,3 %. Zusammen mit einigen eingebürgerten Menschen stellen diese drei Gruppen die Reichsbürger.
Größte Gruppe an Ausländern sind die Isländer mit 0,4 %, gefolgt von Norwegern und Polen mit jeweils 0,2 %. Insgesamt leben auf den Färöern Menschen aus 77 verschiedenen Ländern der Erde, darunter 15 Deutsche (2003).
Von diesen Zahlen auf die färöischen Muttersprachler zu schließen, ist aus zwei Gründen nicht möglich: Erstens leben sehr viele färöische Muttersprachler in Dänemark, und nicht wenige sind dort geboren und kehren im Laufe des Lebens mit ihren Eltern oder als Erwachsene zurück. Zweitens gibt es alteingesessene dänische Familien auf den Färöern, die zuhause Dänisch sprechen.
Dänisch
Bevölkerungsentwicklung
Lebten die ersten Einwohner der Färöer, irische Mönche, als kleine Einsiedlergruppen, so entstand durch die Landnahme der Wikinger eine nennenswerte Population, die sich bei etwa 4.000 Einwohnern einpendelte und bis ins 18. Jahrhundert hinein nie die Zahl von 5.000 überstieg. Um 1349/50 starb etwa die Hälfte der Bevölkerung an der Pest. Eine weitere Einwanderungswelle aus Skandinavien konnte diesen Bevölkerungsschwund allmählich wieder ausgleichen. Erst mit dem Aufkommen der Hochseefischerei (und damit der Unabhängigkeit von der schwierigen Landwirtschaft) und dem allgemeinen Fortschritt im Gesundheitswesen, fand ein rasantes Bevölkerungswachstum auf den Färöern statt. Ab Ende des 18. Jahrhunderts verzehnfachte sich die Bevölkerung innerhalb von 200 Jahren. Anfang der 1990er kam es zu einer schweren Wirtschaftskrise mit spürbarer Auswanderung, die sich aber in den Folgejahren wieder zu einer Nettozuwanderung umkehrte.
1990er
Religion
1990er eingeweiht.]]
Siehe Hauptartikel: Färöische Volkskirche, Färöische Holzkirchen
Die Färöer wurden ab 999 durch Sigmundur Brestisson christianisiert. Schon vorher lebten dort irische Mönche als Einsiedler. Nahezu alle Färinger sind Christen. 84 % sind Angehörige der evangelisch-lutherischen Staatskirche. Ungefähr 7-10 % sind Mitglieder der durch das Wirken des Erweckungspredigers William Gibson Sloan entstandenen Brüdergemeinden.
Brüdergemeinde]]
Zirka 5% gehören anderen christlichen Kirchen an: Neben den Pfingstlern mit ihren sieben Kirchen, sind die Adventisten zu nennen, die in Tórshavn eine relativ große allgemeinbildende private Schule betreiben.
Die katholische Kirche auf den Färöern schließlich, zählt heute 130 Mitglieder. Ihre alte Franziskanerinnen-Schule wird inzwischen wieder von der Kommune Tórshavn betrieben.
Es gibt darüber hinaus einige Baha'i auf den Färöern. Nicht-christliche Religionen und Weltanschauungen spielen ansonsten eine untergeordnete Rolle.
Die bekanntesten Kirchenbauten sind unter anderem die Olavskirche und die unvollendete Magnuskathedrale in Kirkjubøur, die Tórshavner Domkirche, St. Marien (katholische Kirche in Tórshavn), die Christianskirkjan in Klaksvík, die Kirche von Fámjin, die achteckige Kirche in Haldarsvík und nicht zuletzt die beiden hier abgebildeten.
Die Bibelübersetzungen auf Färöisch erschienen 1948 (Victor Danielsen, Brüdergemeinden) und 1961 (Jacob Dahl und Kristian Osvald Viderø, Staatskirche).
Zum seit 1992 wieder geltenden patro- und matronymischen Namensrecht siehe auch: Färöische Personennamen
Geografie
Mehr siehe unter: Geologie und Geographie der Färöer
Geologie und Geographie der Färöer
Die Färöer liegen auf 62° nördlicher Breite und 7° westlicher Länge im Nordatlantik zwischen Schottland (mit den Hebriden im Süden, den Shetland-Inseln und der Orkney im Südosten), Norwegen im Osten und Island im Nordwesten. Weiter nördlich befindet sich die norwegische Insel Jan Mayen im Polarmeer.
Der Archipel mit seinen 18 Inseln, 11 Holmen und 750 Schären (zusammen 779 Inseln, Holme und Schären) bildet eine Fläche von 1.395,74 km². Die Färöer sind von Enniberg im Norden bis Akraberg im Süden 113 Kilometer lang, und von Mykineshólmur im Westen bis Fugloy im Osten 75 Kilometer breit. Die zerklüftete und oft senkrecht aus dem Meer ragende Küstenlinie erstreckt sich über 1.289 Kilometer. Die durchschnittliche Höhe beträgt 300 Meter über dem Meer. Bei klarer Sicht kann man die Inseln vom höchsten Berg Slættaratindur (882 m) komplett überblicken. Mit Kap Enniberg besitzen die Färöer das höchste Kliff der Welt (754 Meter), das senkrecht aus dem Meer ragt. Es gibt auf der Erde zwar noch einige höhere Vorgebirge, aber diese sind nicht lotrecht.
Kein Punkt auf den Färöern ist mehr als 5 Kilometer vom Meer entfernt. Fast alle Orte der Färöer liegen an geschützten natürlichen Häfen, in Fjorden und Buchten. Die Fjorde sind gleichzeitig Verhängnis für die Grindwale, siehe: Grindadráp. In Tälern und auf Hochebenen ist es oft sumpfig, und das Land ist durchzogen mit vielen kleinen und größeren Bächen, die häufig als Wasserfall zu Tal oder direkt ins Meer stürzen.
Regionen
Die Färöer gliedern sich in 34 Kommunen. Allgemein wird zwischen sechs geografischen Regionen unterschieden. Diese sind identisch mit den so genannten sýslur (Syssel), die allerdings keine politischen Gebietskörperschaften darstellen, sondern heute nur noch die (dänischen) Polizeikreise markieren, denen jeweils ein Sýslumaður (Sysselmann) als Polizeichef vorsteht.
#Norðoya sýsla: Die zerklüftetsten Landschaften und meisten der höchsten Berge finden sich auf den sechs Nordinseln im Nordosten. Das sind: Kalsoy, Kunoy, Borðoy, Viðoy, Svínoy und Fugloy ganz im Osten der Färöer. Die Nordinseln-Metropole Klaksvík auf Borðoy ist die zweitgrößte Stadt und wichtigster Standort der Fischindustrie. Viðareiði auf Viðoy ist der nördlichste Ort des Landes mitten in einer einzigartigen Landschaft.
#Eysturoyar sýsla: Westlich der Nordinseln schließt sich Eysturoy als zweitgrößte Insel des Archipels an. Mit Streymoy zusammen bildet sie das Zentrum der Färöer. Das Ballungsgebiet um Runavík ist dort die größte urbane Siedlung, gefolgt von Fuglafjørður. Für ihre landschaftlichen Reize bekannt sind die beiden nördlichen Orte Eiði und Gjógv.
#Streymoyar sýsla: Die größte Insel Streymoy ist zugleich die bevölkerungsreichste mit der Hauptstadt Tórshavn als administrativem und kulturellem Zentrum und dem wichtigsten Seehafen des Landes. Die Stadt Vestmanna an der Westküste der Insel ist bekannt für die imposanten Vogelfelsen (Vestmannabjørgini) weiter nördlich. Saksun und Tjørnuvík im Norden sind ebensolche Anziehungspunkte wie Kirkjubøur im Süden. Zur Region der Hauptinsel zählen die vorgelagerten Inseln Nólsoy im Osten, und Hestur und Koltur im Westen.
#Vága sýsla: Westlich von Streymoy befindet sich Vágar mit dem dem einzigen Flughafen und dem weiter westlich vorgelagerten Vogelparadies auf der einsamen Insel Mykines, die den westlichen Außenposten des Archipels bildet.
#Sandoyar sýsla: Südlich von Streymoy liegt Sandoy, die ihren Namen von den relativ seltenen Sandstränden hierzulande hat. Zu dieser Region zählen die kleinen Eilande Skúvoy und Groß-Dimun.
#Suðuroyar sýsla: Suðuroy schließlich bildet die drittgrößte Insel des Archipels und gleichzeitig den südlichsten Teil des Landes. Hierzu wird geographisch Klein-Dimun gezählt. Die Städte Tvøroyri und Vágur sind dort die regionalen Zentren. Sumba ist die südlichste Gemeinde der Färöer. Die spektakuläre Westküste auf dem Landweg dorthin ist besonders leicht zugänglich.
Siehe auch: Inseln der Färöer; Liste der Kommunen auf den Färöern; Städte der Färöer; Glossar der färöischen geografischen Namen
Geologie
Glossar der färöischen geografischen Namen
Die Färöer sind vulkanischen Ursprungs und etwa 60 Millionen Jahre alt (dreimal so alt wie Island). Die einzige Thermalquelle bei Fuglafjørður erinnert an diese Zeit. Die Inseln bestehen aus Basalt, der sich in charakteristischen Stufen mit weicheren Tuffschichten abwechselt. Bei Tvøroyri gibt es interessante Säulenbasalte und auch Steinkohlevorkommen, die von einem prähistorischen Wald zeugen.
Wetter und Klima
Steinkohle
Das Wetter auf den Färöern ist maritim, feucht und äußerst wechselhaft. Das bedeutet, dass es am selben Tag strahlenden Himmel, gefolgt von dichtestem Nebel, geben kann und das oft an verschiedenen Punkten auf dem Archipel ganz unterschiedlich.
Bedingt durch die Lage am Golfstrom herrschen auf den Färöern vergleichsweise milde Temperaturen angesichts der geographischen Breite. Die Durchschnittstemperatur im Sommer beträgt 11° C, im Winter 3° C. Die Häfen sind ganzjährig eisfrei, und gelegentlicher Schnee im Winter bleibt in den bewohnten niederen Lagen nicht lange liegen.
Die Luft ist meist klar, und es herrscht oft ein frischer Wind (meist aus Südwest). Auf Sturm und Regen muss man eingestellt sein, doch es gibt selten komplett verregnete Tage.
Das färöische Wetter dominiert die gesamte Lebenshaltung des Inselvolkes. Wegen der ständigen Wetterwechsel tragen die Färöer den Beinamen Das Land von kanska (= vielleicht), den ihnen die britischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg gaben: Islands of Maybe (→ Norgate, Literaturhinweise unten).
Färinger sind bekannt für ihre Liebe zum eigenen Auto. Ein Sprichwort über die eigenen Landsleute lautet heute daher:
:Wozu braucht er noch einen Regenmantel? Er hat doch ein Auto!.
Vegetation
britischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg
britischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg]
Auf den Färöern gibt es hunderte wilder Pflanzenarten: Blumen, Flechten, Moose und Pilze. Bäume hingegen kommen von Natur aus nicht vor.
Es wird angenommen, dass nur wenige arktische Pflanzenarten auf den Berggipfeln die Eiszeit überdauert haben. Im Wesentlichen fand die Neukolonisation der Färöer durch Pflanzen dann von Schottland und Norwegen aus statt.
Blumen
Im Sommer erblühen an vielen Stellen verschiedene wilde Blumenarten, die den ansonsten mit Gras bewachsenen Inseln einen unübers | | |